Internationales Forschungsprojekt:

Bayesian Homeopathic Repertory

 

 

Das BHR-Projekt (Bayesian Homeopathic Repertory) verfolgt das Ziel, aus klinisch-homöopathischen Fällen, die einen eindeutig positiven Verlauf aufweisen ('Best Cases'), ein neues Repertorium aufzubauen. Neben der Erstellung eines neuen, empirisch abgesicherten Werkzeugs für die Praxis ist die wissenschaftliche Reflektion der eigenen Behandlungsergebnisse ein wichtiger Bestandteil des Projekts.
 
1. Zielsetzung: Vom absoluten Vorkommen zur Prävalenz
Klassische Repertorien (wie das über 100 Jahre alte Kent-Repertorium) leiden unter einem methodischen Fehler: Sie erfassen Symptome nach ihrer absoluten Häufigkeit. Wird ein Symptom bei erfolgreichen Behandlungen wiederholt beobachtet, wird das Mittel in der Rubrik kursiv oder fett hervorgehoben. Dies führt dazu, dass häufig verschriebene Arzneimittel irgendwann in fast jeder Rubrik auftauchen und große Rubriken für die Mittelfindung unbrauchbar werden.
Das BHR-Projekt löst dieses Problem durch die Anwendung des Bayes’schen Theorems:
Ein Symptom deutet nur dann verlässlich auf eine bestimmte Arznei hin, wenn seine Prävalenz (Häufigkeit) bei Patienten, die gut auf diese Arznei angesprochen haben, höher ist als in der übrigen Bevölkerung.
Mithilfe dieses mathematischen Ansatzes können selbst allgemeine, häufige Symptome wieder effektiv zur Differenzierung von Arzneimitteln genutzt werden.
 
2. Was ist ein 'Best Case'? (Einschlusskriterien)
Ein Fall muss drei grundlegende Elemente erfüllen, um für die Datenbank verwertbar zu sein:
  • Kausalität: Hohe Gewissheit, dass die Heilung durch das homöopathische Mittel bewirkt wurde und nicht durch Spontanheilung, Placeboeffekte oder andere Therapien.
  • Monotherapie: Die Heilung darf nur auf eine einzige homöopathische Arznei zurückzuführen sein. Häufige Wechsel oder die gleichzeitige Gabe mehrerer Arzneien sind Ausschlusskriterien.
  • Chronizität: Es werden nur chronische oder rezidivierende Fälle aufgenommen, da akute Erkrankungen oft spontan ausheilen.
  • Ganzheitlicher Effekt: Neben der Hauptbeschwerde zeigt sich oft eine unerwartete Verbesserung des allgemeinen Wohlbefindens oder anderer konstitutioneller Aspekte.
 
3. Das homöopathische Symptom und die Vermeidung von Fehlern
Die größte Fehlerquelle bei der Falldokumentation ist der Bestätigungsfehler (Confirmation Bias). Sobald Therapeuten ein bestimmtes Mittel im Kopf haben (intuitives, ‘schnelles’ Denken), neigen sie dazu, Symptome so zu interpretieren oder abzufragen, dass sie die bevorzugte Arznei bestätigen. Dies führt zu:
  • Falsch-positiven Symptomen: Ein normales Symptom (z.B. mäßiges Verlangen nach Süßem) wird fälschlicherweise als intensiv dokumentiert, nur weil es zur vermuteten Arznei passt.
  • Falsch-negativen Symptomen: Widersprechende Symptome werden übersehen, oder die Anamnese wird vorzeitig abgebrochen.
Grundregel für das BHR-Projekt: Ein Symptom darf nur erfasst werden, wenn seine Intensität oder Häufigkeit über dem Durchschnitt vergleichbarer Patienten liegt. Unveränderliche konstitutionelle Merkmale (z.B. psychologische Eigenschaften) sind dabei genauso wertvolle Indikatoren wie heilbare Beschwerden.
 
4. Teilnahme
Wenn ca. 150 erfahrene Kollegen jeweils ihre 10 besten Fälle einreichen, wächst die wissenschaftliche Datenbasis rasant an. Dies ermöglicht ein hochpräzises, modernes Repertorium, das in über 90 % der Fälle eine treffsichere Verschreibung auf Basis von nur drei Kernsymptomen erlaubt. Zur Qualitätssicherung erhalten Teilnehmer nach dem Einreichen der ersten drei Fälle ein direktes Feedback der Projektleitung.
 
Ausführliche Informationen zur Teilnahme finden Sie auf der Webseite des Projekts (Englisch) sowie in den Newslettern:
 
 
 
 
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